Das Leben im Schwesternwohnheim
Fürth, den 01.02.2010:
Seit Donnerstag (28.01.2010) wohne ich hier im Schwesternwohnheim auf dem Gelände des Fürther Klinikums, um möglichst nah bei Johanna sein zu können. Anfangs hat es mich an meine Studentenzeit zurück erinnert. Ich lebe hier im 3. Stock und habe ein Zimmer, das aus einem Bett, Schrank und Waschbecken besteht.
Küche mit Gasherd und Kühlschrank, Toiletten und Dusche sind auf dem Gang. Alles ist aus den 60ern und schon etwas schmuddelig. Doch Peter hat mir zum Glück meinen Laptop mitgebracht. Ich habe zwar kein Internet hier, aber ich kann jetzt beim Milch Abpumpen (was ich täglich fast 6 Stunden) mache, DVD´s anschauen oder Hörspiele hören.
Ansonsten habe ich immer mal wieder Heimweh. Das kenne ich gar nicht von mir, denn oft leide ich ja auch an Fernweh, doch ich vermisse einfach Peter und Klara so schrecklich. Ich bekomme von beiden gar nichts mehr mit und kann nur immer am Wochenende kurz Zeit mit ihnen verbringen. Doch andererseits weiß ich auch, dass Johanna mich braucht und sie einfach noch eine ganze Weile hier bleiben wird.
Ich bin schon so ungeduldig und möchte sie am liebsten heute noch mit nach Hause nehmen, aber ich muss ihr die Zeit zugestehen, die sie noch braucht. Eigentlich bin ich ja total ausgelastet. Langweilig ist mir nicht, aber es geht mir trotzdem nicht so gut dabei. Mein Tag sieht folgendermaßen aus: von 2-3 Uhr und von 6-7 Uhr in meinem Bett Muttermilch abpumpen, anschließend duschen, dann auf die Intensivstation zum Frühstücken gehen, Visite abwarten, von 10-12 Uhr Johanna versorgen (wickeln, stillen, kuscheln), abpumpen und zu Mittag essen.
Ab 12.30 Uhr bin ich dann wieder auf meinem Zimmer. Von 14-15 Uhr Johanna versorgen, d.h. wickeln, ihr die Flasche geben und kuscheln. Anschließend ziehe ich mich wieder auf mein Zimmer zurück, um abzupumpen, ab 17.30 Uhr bin ich dann wieder auf der Intensivstation, um zu Abend zu essen und Johanna zu versorgen und zu stillen und mit ihr zu kuscheln. Ab 20 Uhr bin ich erneut auf meinem Zimmer um abzupumpen, von 22-23 Uhr versorge ich wieder Johanna auf der Intensivstation und lege mich nach dem Abpumpen ca. um Mitternacht schlafen und schlafe bis 6 Uhr, mit einer Stunde Abpumpen dazwischen.
So habe ich eigentlich auch nicht die Chance, mal in die Stadt zu gehen, weil ich immer nur so kurze Pausen zwischen Johannas Versorgungszeiten habe, obwohl ich die Möglichkeit hätte, schnell mal mit der U-Bahn irgendwo hinzufahren. Was ich sonst noch so mache? Wenn ich zwischendurch ein bisschen Zeit habe, erliege ich immer noch dem Strickwahn. Die Decke für Johanna, die ich bereits zu Hause angefangen habe, ist erst zur Hälfte fertig. Manchmal bin ich so müde, dass mir schon die Stricknadeln aus den Händen fallen. Da macht man sich dann schon seine Gedanken! Ansonsten denke ich viel an Klara und Peter.
Mein Gemütszustand ist manchmal zusätzlich abhängig davon, welche Fort- oder Rückschritte Johanna macht. Naja, ich werde hier schon irgendwie durchhalten. Zu Hause wird es auch nicht einfacher werden, aber ich bin zumindest wieder in meiner vertrauten Umgebung bei Peter und Klara.












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