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Der tägliche Wahnsinn

8 März 2010 90 mal gelesen Keine Kommentare Drucken Drucken Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Ich beschreibe mal kurz, wie ein Tag bei uns abläuft. Damit ihr euch wenigstens ein bisschen vorstellen könnt, wie es bei uns so zugeht.Um 5.20 Uhr klingelt der Wecker und die Nacht geht zu Ende. Peter und ich quälen uns aus dem Bett, obwohl wir nur ca. 4 Stunden geschlafen haben, denn ich musste Johanna dreimal stillen und wickeln, Peter Klara beruhigen und stundenweise händchenhaltend an ihrem Bett schlafen. Während Peter frühstückt, springe ich schnell unter die Dusche, in der Hoffnung, dass die Kinder weiter schlafen, aber mit einem Ohr warte ich schon auf das Schreien. Wenn ich Glück habe, reicht die Zeit noch, um mir einen Tee zu machen. Aber meistens wird Johanna dann schon wieder wach und möchte gestillt werden. Nach dem Stillen und Wickeln ist Peter bereits außer Haus (6.05 Uhr, er beginnt extra schon um 7 Uhr zu arbeiten, dass er abends um 18 Uhr zu Hause sein kann!). Klara wacht um ca. 6.30 Uhr auf. Bis dahin hoffe ich, dass Johanna ihr Bäuerchen gemacht hat und ich sie in ihre Wiege legen kann. Manchmal ist es noch zu früh, dann spuckt sie die Milch leider wieder raus. Umziehen ist angesagt. Aber Kompromisse muss man einfach eingehen. Ein Kind muss meistens zurückstecken und ich versuche jedes Mal abzuwägen, wer jetzt das dringendere Bedürfnis hat Noch kann ich es nicht wirklich akzeptieren, dass ich mich nicht zerreißen kann. Nachdem ich Klara angezogen habe, oft mit Geschrei, weil sie lieber auf dem Wickeltisch turnen als stillhalten möchte, gibt es Frühstück. Oft muss ich das einhändig zubereiten, weil Johanna Bauchweh hat und getragen werden will oder schon wieder Hunger hat. So sitze ich bei Klara am Tisch, während sie isst, beruhige ich Johanna und versuche selbst etwas zu essen. Um 7.30 Uhr geht es dann spätestens hoch ins Bad. Zähne putzen, Gesicht und Hände waschen, kämmen und eincremen. Das macht Klara besonders viel Spaß, weil ich mir da Zeit nur für sie nehme. Manchmal schreit Johanna unten im Wohnzimmer, dann gibt es nur Katzenwäsche. Anschließend muss ich Klara schnell Jacke und Schuhe anziehen, da um 7.45 Uhr unsere Nachbarin kommt, um auf Johanna aufzupassen, damit ich Klara in die Krippe fahren kann. Denn beide zu tragen, schaffe ich körperlich nur sehr schwer, denn manchmal muss ich ein ganzes Stück laufen, kommt drauf an, wo ich einen Parkplatz finde. Da könnte es sich um Stunden handeln, bis wir in der Krippe ankommen. An manchen Tagen will sich Klara leider ihre Schuhe nicht anziehen lassen. Und wenn ich sie ihr angezogen habe, zieht sie diese wieder aus. Ein Kampf! Oder sie krallt sich an ihrer Spielekiste fest, weil sie lieber zu Hause bleiben will. Doch manchmal geht es auch problemlos. In der Krippe versuche ich, mir Zeit zu nehmen, sie in Ruhe dort hinzubringen und mich zu verabschieden, damit sie sich nicht abgeschoben fühlt. Zu Hause angekommen, schicke ich die Nachbarin wieder nach Hause und versuche im Haushalt Dinge zu erledigen. Wie jeden Tag muss ich Wäsche drauf stellen (denn Johanna spuckt sehr viel und Klara braucht durch die Krippe und das Essen jeden Tag mindestens eine Kombination), zusammenlegen, aufhängen, den Spülberg vom Vortag wegspülen, da ich am Abend meistens die Kraft nicht mehr dazu habe, das Chaos im Esszimmer beseitigen und was sonst noch ansteht (z.B. Hebamme, Arztbesuch, Lebensmittel einkaufen, Post erledigen). Doch meine Haupttätigkeit bis Mittag ist, Johanna zu stillen und sie herumzutragen, weil sie schreit. Mich selbst nochmal hinzulegen, versuche ich schon gar nicht mehr, weil Johanna nicht lange ruhig bleibt. Die Vormittage gehen sehr schnell vorbei und schon ist wieder 11.45 Uhr, die Nachbarin kommt und ich hole Klara von der Krippe ab. Bevor Klara ihren Mittagsschlaf macht, möchte sie immer noch etwas essen. Das habe ich zum Glück schon am Vormittag vorbereitet. Klaras Mittagsschlaf dauert 1-2 Stunden und dann ist Action angesagt. Die Schränke werden ausgeräumt, sie will mit mir Bilderbücher anschauen und mit Johanna spielen, am liebsten macht sie Krach oder fährt mit ihrem BobyCar gegen Türe und Schränke, ihren Ball liebt sie auch. Und besonders Spaß macht es ihr, ihre Spielzeugkisten auszuleeren, damit anschließend das ganze Wohnzimmer verwüstet wird. Oder auch die nasse Wäsche vom Wäscheständer zu reißen. Johanna muss einen ganz schönen Lärmpegel ertragen und beim Stillen werden wir oft durch Klara gestört. In brenzligen Situationen (und die kommen sehr oft vor) muss ich das Stillen unterbrechen, z. B. wenn Klara meint, auf Stühlen klettern zu müssen oder die Blumenerde zu essen. Johanna spürt diese starke Unruhe und trinkt deshalb am Nachmittag viel schlechter als am Vormittag, was ich in den Abendstunden ausbaden muss, da sie da jede Stunde von mir trinken möchte. Ab 16/17 Uhr wird Klara oft quengelig und fragt nur noch nach ihrem Papa. Da heißt es, sie irgendwie hinhalten. Aber nebenher muss das Abendessen auch noch gekocht werden. Doch das ist im Moment nicht so anspruchsvoll, denn was will man mit zwei schreienden Kindern schon groß kochen? Um 18 Uhr kommt dann Peter nach Hause. Wie bin ich froh, wenn ich den Schlüssel an der Haustür höre? Oft haben Klara und ich schon gegessen, weil Klara es vor Hunger nicht mehr aushalten konnte. Nachdem Peter zu Abend gegessen hat, wir versucht haben währenddessen unsere Neuigkeiten vom Tag auszutauschen, was manchmal im Kindergeschrei untergeht, übernimmt Peter Klara. Er spielt mit ihr und bringt sie ins Bett. Ich versorge weiterhin Johanna, die fast nur an meiner Brust hängt, so dass ich auch nicht wirklich durchschnaufen kann. Außerdem müssen Peters Brote für die Arbeit noch gemacht werden und alles für den nächsten Tag vorbereitet werden (z.B. Klaras Rucksack packen), was man vorbereiten kann, damit es am nächsten Morgen schneller geht. Wenn Klara um 20 Uhr im Bett liegt, gehen Peter und ich auch so langsam ins Bett (wenn Peter nicht schon bei Klara eingeschlafen ist), weil wir ständig müde sind und wissen, die nächste Nacht wird wieder ähnlich. Ich habe nicht gezählt, wie viele Male ich die beiden jeden Tag wickeln muss, aber die Mülltonne läuft jede Woche über und wir versorgen auch die Nachbarn noch mit Windelsäcken. Ich habe das Gefühl, dass ich den ganzen Tag nur wickel, putze, Essen zubereite, stille, beruhige, spiele und auch schimpfe. Für mich bleibt da keine Zeit mehr und Zeit für Peter erst Recht nicht. Trotzdem ist es total schön, zwei Kinder zu haben und ich möchte mit niemandem tauschen. Aber es ist verdammt anstrengend. Eine große Herausforderung ist es z.B., mit beiden Kindern irgendwo hinzufahren. Bis wir alle drei im Auto sitzen habe ich meistens schon gar keine Lust mehr. Schwierig war es am Mittwoch beim Kinderturnen. Da ich sowohl Johanna als auch Klara bestmöglichst fördern möchte, habe ich Klara beim Kinderturnen angemeldet und in die Krabbelgruppe geht sie immer noch. Mit Johanna werde ich bald Pekip und Nordic Walking machen. Auf jeden Fall muss die Mutter beim Kinderturnen mitmachen und ständig Hilfestellung leisten. Ich hatte mir vorgestellt, dass Johanna die Stunde am Turnhallenrand schläft und ich mich auf Klara konzentrieren kann. Doch es war nicht so. Wir sind schon mal zu spät gekommen, weil Klara kurz vorher Aa in die Windel gemacht hatte und Johanna nochmals trinken wollte. Bis wir dann sportfähig in der Halle standen, war ich schon durchgeschwitzt. Während der Turnstunde musste ich stillen und Klara war etwas sauer auf mich, weil ich nicht weiter mit ihr turnen konnte. Es war einfach nur unbefriedigend für mich. Mal schauen, was sich da ändern lässt. In Zukunft will Peter vielleicht mittwochs eher von der Arbeit weg, um mit Klara zu turnen, denn es hat ihr schon viel Spaß gemacht. Irgendwie finden wir schon einen Weg, trotz Anfangsschwierigkeiten. Es ist eine Umstellung plötzlich Hausfrau und Mutter zu sein und manchmal denke ich schon an die Arbeit zurück, aber ich versuche das Beste aus meiner Situation zu machen, auch wenn es mir nicht immer gelingt.

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